Eines der markantesten Gebäude in der City Nord ist das ehemalige "TEXACO"-Gebäude. Wie auch viele anderen Bauten aus der ursprünglichen City-Nord-Planung, war auch dieses Gebäude von Nachverdichtungsinteressen bedroht und konnte nun gerettet werden.

Obwohl die City Nord als „Modellstadt der Moderne“ seit 2013 Ensembleschutz genießt, musste sie mittlerweile doch einige Federn lassen. Insbesondere der Abriss des BP-Gebäudes (2015) sowie der Oberpostdirektion – besser bekannt als Postpyramide – (2017) wiegen schwer. Aber auch anderen Gebäuden der City Nord droht weiterhin die Zerstörung, wie etwa dem Postamt 60.

Gerade konnte das ehemalige TEXACO-Gebäude mit dem Verkauf an die Becken Development GmbH von der Liste der gefährdeten Objekte vor dem Abriss bewahrt werden. Das Gebäude bildet seit 1977 zusammen mit dem ERGO-Komplex (früher Hamburg-Mannheimer) den markanten südwestlichen Eingang zur City Nord. Entworfen wurde es von dem Architekturbüro Schramm Pempelfort v. Bassewitz Hupertz (SPBH) unter der Mitarbeit der Architektin Anna Zülch.

Der 126 Meter lange Stahlbetonskelettbau wurde für 1.300 Arbeitsplätze geplant, um die verschiedenen Standorte in der Stadt zentralisiert zusammenzufassen. Dabei wurden einige damals neuartige Energiespar-Konzepte umgesetzt.

Prägnantestes äußeres Merkmal des DEA-Hauses sind die orangefarbenen Sonnensegel , die von einem filigranen schwarzen Gitterwerk getragen werden. Die auf Kragarmen befestigten Stahlgitterrostbalkone sind zugleich Wartungs- und Fluchtwegbalkone. Die Sonnensegel aus einbrennlackierten Aluminium boten neben Sonnenschutzgardinen zusätzlichen Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung. Die Vorhangfassade (System RISO-Fassade) besteht aus Alu-Strangpressprofilen mit einer äusseren eloxierten Alu-Blech-Schale und einer einbrennlackierten Stahlblech-Schale. Die Verglasung besteht aus äußeren Doppelscheiben Isolierglas mit reflektierendem Sonnenschutz und einer zu öffnenden Einfachverglasung-Innenscheibe zur Reinigung und zur Abluftführung von unten nach oben in Abluftkanäle, wodurch der Transmissionswärmeverlust um 50% reduziert werden konnte und der Kaltluftfall vor den Fenstern entfiel. Die Wärmeverlust wurde damit auf ca. 50% reduziert und die Senkung der Kühllast im Sommer auf ca. 20% gegenüber herkömmlichen Fassaden. Dieses neue Technik der Abluftfenster wurde damals erstmals im größeren Umfang eingesetzt.

Im Innenraum fallen die mit Schiefer bekleideten Wände auf, in denen zahlreiche bis zu 180 Millionen Jahre alte Fossilien zu bestaunen sind. Die Fossilien waren Geschenke der Texaco INC (NY) und stellten eine Beziehung zum Unternehmensschwerpunkt dar - Öl und Gas als Energie und Rohstoffe. Das von grünen Oasen durchzogene Mitarbeiter-Restaurant befindet sich noch weitgehend im bauzeitlichen Zustand, inklusive der markanten und inzwischen wieder modernen weißen Schirmleuchten. Nach Fertigstellung des Gebäudes war die TEXACO so dankbar, dass sie der Architektin Anna Zülch eine Sondervergütung in Höhe von 2.000 DM zukommen ließ.

1992 wurde das DEA-Haus um eine Etage aufgestockt, die die Vorstandsbüros und einen runden Konferenzraum (die „Rotunde“) umfasst. Dank der Verwendung der gleichen Aluminium-Verkleidungen korrespondiert diese Ergänzung gut mit dem Bestand.

Seit 2020 steht das zeitlos elegante DEA-Haus unter Denkmalschutz – in Hamburg bekanntermaßen kein Garant für dessen Erhalt. Die größte Gefährdung für die Gebäude aus der Ursprungszeit der City Nord stellt der aktuelle Bebauungsplan dar: Er ermöglicht eine deutlich höhere Grundstücksausnutzung als die Bestandsgebäude und bietet damit sehr konkrete wirtschaftliche Anreize zu Abbruch und Neubau. Der Denkmalverein plädiert daher dringend für eine Städtebauliche Erhaltungsverordnung für das gesamte Ensemble der City-Nord.

Für Texte, Fotos und Dokument danken wir Christoph Duwe, Marco Hosemann und Sebastian Löder vom City-Hof e.V. und der Architektin Anna Zülch.