2014

Auf dem Grundstück, wo heute das Hochhaus der Hotelkette Holiday Inn und die neue Deutschlandzentrale der Deutschen Telekom stehen, stand vor wenigen Jahren noch die ehemalige Hauptverwaltung der Benzin und Petroleum AG (BP; Kraemer, Pfennig und Sieverts, 1964–71), ein in seiner Symbolhaftigkeit für die Bautätigkeit großer Konzerne typisches Gebäude: Treten diese als Bauherr auf, geht es mitunter nicht nur um die Funktionalität eines Gebäudes, sondern zugleich um eine Visitenkarte, die das Unternehmen nach außen repräsentiert. Bei keinem anderen Bauwerk in der City Nord trat diese Absicht so offensichtlich in Erscheinung wie beim BP-Haus, dessen Grundriss – mit seinen fünf um ein zentrales Sechseck angeordneten Sechsecken – die Assoziation zur chemischen Struktur des Benzolrings weckte und so die Nutzung durch den Mineralölkonzern versinnbildlichte. Besonders gut zu erkennen war das Signet aus der Vogelperspektive, womit sich die Nähe zum Hamburger Flughafen – neben der guten Anbindung – als weiterer Vorteil erwies. Die Figur des Sechsecks zog sich wie ein roter Faden bis in die Details innen und um das Bauwerk herum – von den Tabletts in der Kantine bis zu den Pflanztrögen im Außenbereich. Und so abweisend das Gebäude die Angestellten und Besucher mit seiner grauen Fassade aus Waschbeton von außen auch begrüßte, so herzlich empfing es sie im Inneren mit warmen Tönen.
Die Büros wurden beim BP-Haus konsequent – mit Ausnahme der Chefetage – als Großräume ausgeführt. Mit der freien und abwechslungsreichen Raumgestaltung mit belebenden Farben, Blickführungen, Wegefolgen und Aussichten zielten die Architekten auf die Schaffung einer Umgebung menschlicher Begegnung, die das Verständnis für Arbeit und Persönlichkeit des anderen fördern und Hierarchien abzubauen helfen sollte. Zudem erleichterten die sogenannten „Bürolandschaften“ die interne Kommunikation und ließen eine an veränderte Anforderungen angepasste Nutzung zu. Natürlich brachte dieser Bürotypus auch Nachteile mit sich, denn nicht alle Angestellten arbeiteten gern in dieser Atmosphäre. Störten sich die einen an der Geräuschkulisse, so empfanden die anderen Licht und Klima, auf das sie selbst keinen Einfluss nehmen konnten, als Manko. Heute bevorzugen die meisten Unternehmen kleinere Büroeinheiten, was die Vermarktung von Gebäuden mit Großräumen schwer macht. Entweder findet sich ein Nutzer, dessen Bedarf zu einem solchen maßgeschneiderten Bauwerk passt, oder man benötigt einen Investor, der es nach den Gegebenheiten des Marktes verändert. Im Fall des BP-Hauses gelang weder das eine noch das andere, und so wurde das markante und bedeutende Bauwerk – trotz Denkmalschutz und vorhandener Möglichkeiten zur Revitalisierung – nach dem Auszug des Mineralölkonzerns und jahrelangem Leerstand im Herbst 2014 dem Erdboden gleichgemacht.

Wir danken Marco Alexander Hosemann vom City-Hof e.V. für Text und Bilder (s. Bildergalerie unten). Der Text ist auch erschienen im Winterhude & Uhlenhorstbuch, Junius Verlag, Hamburg 2016, S. 147–149.