10.12.2019

Am Karnapp 15 und 16 in Hamburg-Harburg befinden sich die Gebäude der ehemaligen Likör- und Spirituosenfabrik Louis Hilke, die aktuell akut vom Abbruch bedroht sind.

Das Haus Nr. 15 wurde 1859 als Wohn- und Geschäftshaus für die bereits 1833 gegründete Spirituosen- und Likörfabrik H. Osterhoff errichtet, die noch vor 1900 in den Besitz von Louis Hilke überging. Die Erweiterung Nr. 16 stammt aus dem Jahr 1899. Die Fabrik mit ihrem rotgelben Backsteinmauerwerk, segmentförmigen Fenstern und schmückenden Gesimsen steht seit vielen Jahren unter Denkmalschutz. Die innenliegenden Verkaufsräume sind teilweise noch mit Stuckdecken verziert. Mit der Ausstattung im Inneren des Vordergebäudes und der heterogenen Hofbebauung hat sich hier ein einzigartiges Ensemble der Industriegeschichte erhalten, das als eine der ältesten frühindustriellen Baugruppen Harburgs gilt.

Um 1985 wurde die Produktion eingestellt, und die Gebäude sollten für einen symbolischen Preis verkauft und im Gegenzug vom Schwamm befreit und saniert werden. Dieser Kaufvertrag wurde jedoch rechtlich angefochten und das Gebäude an den Harburger Bauunternehmer Arne Weber von HC Hagemann verkauft, der ebenfalls ankündigte, das Denkmal sanieren zu wollen. Seitdem steht die ehemalige Fabrik jedoch leer und verfällt. Zwischenzeitlich musste das Denkmalschutzamt eine provisorische Eindeckung gegen Regenwasser erwirken.

Trotz des desolaten Zustandes hat der Eigentümer bis heute keine Sanierungsmaßnahmen ergriffen. Dem einzigartigen Gebäudeensemble droht der vollständige Verlust, wenn nicht sehr bald Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden und eine neue Nutzung gefunden wird. Eine Anfrage der Fraktion Die LINKE hat ergeben, dass im September 2019 durch den Eigentümer ein Abbruchantrag gestellt wurde, der jedoch vom zuständigen Bezirksamt abgelehnt wurde. Das Denkmalschutzamt Hamburg lehnt den Abriss ab, im Februar 2020 verkündete es, dass die Gebäude in einem besseren Zustand seien als erwartet. Aktuell wird der Fall vor Gericht überprüft.

Für den Denkmalverein steht außer Frage, dass das baugeschichtlich wertvolle Ensemble nicht nur zeitnah gesichert sondern auch instandgesetzt und wieder in Nutzung gebracht werden muss.

Fotos: Geerd Fischer; Fotografie Dorfmüller | Klier