26.11.2022

In seinem 2022 erschienenen Buch „Stadt Neu! Beispielhafte Sanierungen aus Hamburg“ präsentiert der Denkmalverein Hamburg e.V. acht Sanierungs- und Umnutzungs-Projekte aus Hamburg, die das Potential des gebauten Bestandes zeigen und Inspirationen für zukünftige Projekte geben - von der ehemaligen Tankstelle bis zur Krankenhaus-Konversion zu einem hochwertigen Wohnquartier. Das Buch ist im Verlag Dölling und Galitz erschienen.

Bei der sehr gut besuchten Buchvorstellung im ehemaligen Karstadt Sport-Gebäude begrüßte zunächst Kristina Sassenscheidt, Geschäftsführerin des Denkmalvereins, und erläuterte die Inhalte und Ziele des Buches. Danach las der Autor Claas Gefroi ausgewählte Passagen vor. Anschließend sprachen die beiden mit Joachim Doerks, dem Eigentümer des Backstein-Ensembles am Brandshofer Deich, und mit dem Architekten Joachim Wegener von WEGENER ARCHITEKTEN, der die ehemalige Arrestanstalt Wandsbek zu Büroräumen für das benachbarte Amtsgericht umgebaut hat.

In dem Gespräch ging es um Erfolgsfaktoren und Herausforderungen im Umgang mit dem Bestand, aber auch um die Frage, was sich in Verwaltung, Politik oder Bauwirtschaft ändern muss, damit wir die Stadt klimafreundlich weiterbauen können. Als wichtigste Erfolgsfaktoren neben einer grundsätzlichen Passung von Objekt und Bauherr/in nannten die beiden Gesprächspartner Vorstellungskraft, fachliche Erfahrung und kompetentes Handwerk (bei der Sanierung des Brandshofer Deiches gab es sogar eine eigene kleine "Bauhütte"), vor allem aber den frühzeitigen und vertrauensvollen Austausch zwischen Planenden bzw. Bauherren und Behörden. Als größte Herausforderungen erlebten sie die einseitig auf Neubauten ausgerichtete Bauordnung und die teilweise schwierige Erreichbarkeit der zuständigen Ämter.

Folgende Handlungsempfehlungen wurden in der Gesprächsrunde zusammengetragen:

  • Mehr Personal in der Verwaltung (Denkmalschutzamt, Bauamt) für rechtzeitige und bessere Beratung
  • Verstärkte Ausbildung von Fachkräften im Handwerk
  • Verschlankung der Normen (sprich Ausnahmen im Bauordnungsrecht, die für Baudenkmäler gelten, sollten generell für Bestandsbauten gelten, Stichwort „Gebäudeklasse E = Experiment“)
  • Stärkere Ausrichtung auf „Einfaches Bauen“ ohne technischen Aufwand
  • Steuererleichterungen wie eine Klima-AfA für den Erhalt grauer Energie sollten den Erhalt des Bestandes attraktiver machen
  • Ebenfalls hilfreich wäre eine Impulsförderung z.B. in Form staatlich subventionierter Bestandsgutachten
  • Ergänzend sollte eine verpflichtende Ökobilanz dafür sorgen, dass nur abgerissen werden darf, wenn ein Neubau ökologisch sinnvoller ist als der Bestandserhalt.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Formates "Ein Monat Baukultur" der Hamburger Stiftung Baukultur im ehemaligen Karstadt Sport-Gebäude an der Mönckebergstraße 2-4 statt.