Mehrere Jahre lang wurde um das Schicksal des denkmalgeschützten City-Hofes gerungen, sogar mit Beteiligung von UNESCO und ICOMOS. Am Ende haben sich bedauerlicherweise die Abrissbefürworter durchgesetzt und damit vorerst eine der heftigsten Debatten darum beendet, wie die Freie und Hansestadt Hamburg mit ihren Denkmälern umgehen darf.

Gebäudegeschichte
Der 1954 bis 1958 errichtete City-Hof bestand aus vier Büro-Hochhäusern mit zwei- und dreigeschossigen Verbindungsbauten und wurde von dem renommierten Hamburger Architekten Rudolf Klophaus entworfen. Die Bauten gehörten zu den ersten Hochhäusern, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg gebaut wurden und standen als bedeutende Zeugnisse der Nachkriegsmoderne seit 2013 unter Denkmalschutz. Ursprünglich mit hellen Verblendplatten (aus "Light Expanded Clay Aggregate", kurz LECA) ausgestattet wurden sie in den 1970er-Jahren mit grauen Faserzementplatten verkleidet. Sie dienten bis zum Sommer 2018 vorwiegend als Verwaltungsgebäude des Bezirksamtes Hamburg-Mitte.

Politische Hintergründe
Im Jahr 2006 fiel mit dem Ende des vorangegangenen Erbbauvertrages der City-Hof zurück an die FHH. Diese schrieb 2012 den City-Hof erstmals zum Verkauf auf Abriss aus, hob die Ausschreibung jedoch wieder auf. 2014 gründete sich die Initiative City-Hof, die sich intensiv für die Erhaltung des Denkmals engagiert hat. (Auf der Homepage ihres Folgevereins "City-Hof e.V." wird die Entwicklung bis heute chronologisch aufgeführt.)
Bei einer öffentlichen Plandiskussion im Bezirksamt Mitte wurde Anfang 2018 über die mögliche Neubebauung des City-Hofes diskutiert, wobei sich auch der Denkmalverein mit einem ausführlichen Statement zu Wort gemeldet hat. Außerdem haben sich zahlreiche Fachleute gegen den Abriss ausgesprochen, u.a. in einem offenen Brief an Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher.

Internationale Beteiligung
Am 30. August 2018 kamen zwei Expertinnen von ICOMOS International nach Hamburg, um sich über die Planungen auf dem City-Hof Areal zu informieren. Bei der sogenannten „Advisory Mission“ ging es um die Frage, ob die Abriss- und Neubaupläne Auswirkungen auf den außergewöhnlichen universellen Wert des Welterbes Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus haben könnten, in dessen Pufferzone der City-Hof liegt. In mehreren Statements erläuterten unter anderem die Erhaltungsbefürworter Denkmalrat, Denkmalverein und City-Hof e.V., warum der City-Hof erhalten werden sollte.

Am 27. November 2018 verkündete der Hamburger Senat, dass "das Welterbezentrum der UNESCO das Welterbe durch Planungen am Klosterwall nicht betroffen" sähe. Diese Vorab-Auskunft des Welterbezentrums begründete sich jedoch nur auf einen nicht freigegebenen Entwurf von ICOMOS und zeigte, dass hier mit allen Mitteln ein Denkmal abgerissen werden sollte. Noch am selben Abend folgte eine Pressemeldung mit einem deutlichen Widerspruch durch ICOMOS. Wochen später kam die finale Stellungnahme von ICOMOS, die den Abriss des City-Hofes mehrfach deutlich kritisiert. Das hielt den Senat jedoch nicht davon ab, dem englischen Report eine deutsche Jubelmeldung voranzustellen, die von den meisten Medien direkt übernommen wurde. Der Denkmalverein kritisierte diese Art der an Manipulation grenzenden Vermittlung scharf in einer weiteren Pressemeldung.

Am 28. Februar 2018 erteilte der Senat die Abrissgenehmigung für den City-Hof, um rechtzeitig vor dem Bürgerschafts-Wahlkampf 2020 Fakten zu schaffen. Bis heute hat die UNESCO jedoch nicht der geplanten Neubebauung zugestimmt, die wichtige Sichtachsen und Durchblicke zum Welterbe verbauen würde. Mit dem vorzeitigen Abbruch hat der Senat daher bewusst eine jahrelange Baulücke mitten in der Stadt riskiert. Zugleich hat der Senat sich über das geltende Denkmalschutzgesetz hinweggesetzt. Rechtlich war dieses Vorgehen hochgradig fragwürdig, wie es u.a. der Rechtsanwalt Ulf Hellmann-Sieg vom Grundeigentümer-Verein Bergedorf schon 2015 in einem Artikel dargelegt hat. Es ist ein fatales Signal für alle privaten Eigentümer, wenn die Stadt selbst nicht vorbildhaft mit ihren Baudenkmälern umgeht.

Dem Denkmalschutz in Hamburg wurde damit ein nachhaltiger Schaden zugefügt. Mit seinem Vorgehen hat der Senat ein neues Argument dafür geschaffen, dass es endlich ein Verbandsklagerecht für den Denkmalschutz geben muss. Denn solange eine Regierung ungestraft ihr eigenes Denkmalschutzgesetz brechen kann, wie der Senat es im Falle des City-Hofes getan hat, sind Hamburgs Baudenkmäler ganz offenkundig nicht ausreichend geschützt.