20.4.2018

Parallel zum Bau der Speicherstadt errichtete die Stadt Hamburg im Freihafen zwischen dem damaligen Straßenzug Dessauer Ufer und dem Saalehafen einen weiteren Lagerhauskomplex, zu dem das "Lagerhaus G" gehört. Das Gebäude wurde in Holzständerbauweise mit einer Backsteinhülle errichtet und besitzt drei Böden sowie ein Untergeschoss, das zum Wasser hin geöffnet ist. Ursprünglich wurde hier v.a. Kaffee, Zucker und Tabak gelagert.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte das Gebäude die traurige Aufgabe, als Außenlager „Dessauer Ufer“ des KZ Neuengamme zu dienen. Von Juli bis September 1944 waren hier bis zu 1.500 jüdische Frauen aus Ungarn und Tschechien untergebracht, die in Raffinerien und zerstörten Gebäuden anderer Betriebe im Hafen Aufräumarbeiten verrichten mussten. Im Oktober 1944 kamen 1.500 männliche Häftlinge in das Außenlager, die im Gleis- und Panzergrabenbau sowie bei Aufräumarbeiten arbeiten mussten. In den Innenräumen finden sich bis heute Schriftzüge und Einritzungen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Seit 1988 steht das Lagerhaus G unter Schutz, weil es die historische Form der Lagerhaltung außerhalb der Speicherstadt mit der für die damalige Zeit typischen Backsteinarchitektur dokumentiert, aber auch weil es das einzige heute noch in seiner äußeren und inneren Struktur erhaltene Baudenkmal für die innerstädtischen Außenlager des KZ Neuengamme darstellt. Aufgrund dieser historischen Bedeutung ist es auch durch das städtische Tafelprogramm „Stätten von Verfolgung und Widerstand“ gekennzeichnet. Nach dem Komplex in der Spaldingstraße 152 bis 162 bildete das heutige Baudenkmal zudem das größte der Lager.

Als das Lagerhaus vor über 10 Jahren drohte abgerissen zu werden, fand die Kulturbehörde einen neuen Eigentümer. Er kaufte es mit der Auflage, den Bau von Grund auf zu sanieren, was jedoch nie stattgefunden hat. Inzwischen ist der Eigentümer verstorben und das Gebäude zwangsversteigert worden. Der aktuelle Zustand des Lagerhauses ist beklagenswert: Es gibt Risse im Mauerwerk, große Feuchtigkeitsschäden und sogar Schwamm. Es ist daher höchste Zeit für eine grundlegende Sanierung, die weiteren Verfall verhindert. Angesichts der historischen Bedeutung ist zu wünschen, dass die Stadt Hamburg Verantwortung für das Lagerhaus übernimmt. Darüber hinaus besitzt dieses prägende Baudenkmal großes Potential für die Entwicklung der Gegend zum neuen Stadtteil Grasbrook.

Fotos: Klaus Lübke