17.12.2017

Parallel zum Bau der Speicherstadt errichtete die Stadt Hamburg im Freihafen zwischen dem damaligen Straßenzug Dessauer Ufer und dem Saalehafen einen weiteren Lagerhauskomplex, zu dem das "Lagerhaus G" gehört. Das Gebäude wurde in Holzständerbauweise mit einer Backsteinhülle errichtet und besitzt drei Böden sowie ein Untergeschoss, das zum Wasser hin geöffnet ist. Ursprünglich wurde hier v.a. Kaffee, Zucker und Tabak gelagert.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte das Gebäude eine düstere Aufgabe als Außenlager „Dessauer Ufer“ des KZ Neuengamme. Von Juli bis September 1944 waren hier bis zu 1.500 jüdische Frauen aus Ungarn und Tschechien untergebracht, die in Raffinerien und zerstörten Gebäuden anderer Betriebe im Hafen Aufräumarbeiten verrichten mussten. Im Oktober 1944 kamen 1.500 männliche Häftlinge in das Außenlager, die im Gleis- und Panzergrabenbau sowie bei Aufräumarbeiten arbeiten mussten. In den Innenräumen finden sich bis heute Schriftzüge und Einritzungen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Seit 1988 steht das Lagerhaus G unter Schutz, weil es die historische Form der Lagerhaltung außerhalb der Speicherstadt mit der für die damalige Zeit typischen Backsteinarchitektur dokumentiert. Als das Lagerhaus vor einigen Jahren drohte abgerissen zu werden, fand die Kulturbehörde einen neuen Eigentümer. Er kaufte es mit der Auflage, den Bau von Grund auf zu sanieren, was jedoch nicht stattgefunden hat. Aktuell ist die Zukunft des Lagerhauses völlig unklar.

Anmeldung für den Newsletter