28.1.2019

Dass die Deutsche Bahn AG die Sternrücke abreißen und durch einen Neubau ersetzen will, wird seit vielen Jahren diskutiert – dabei ringen Denkmalschützer aktuell noch um ihre Erhaltung. Bei einem Abbruch würde nämlich nicht nur die historische Brücke samt der Brückenbauten mit den Clubs verschwinden, sondern es müssten auch mehrere der umliegenden, teils denkmalgeschützten Altbauten abgerissen werden. Die gesamte Gegend würde also auf einen Schlag ihre gewachsene Identität verlieren. Der Denkmalverein ist jedoch der Überzeugung, dass man dieses bedeutende technische Denkmal und ein so prägendes Stück Stadtbild nicht einfach aufgeben darf.

Seit 2016 haben bereits mehrere Nachrechnungen sowohl der Kulturbehörde als auch der Bahn stattgefunden. Nachdem die ersten Nachrechnungen nur eine kurze Haltbarkeit der Brücke nachwiesen, hat zuletzt ein Gutachten der Kulturbehörde ergeben, dass die ein exemplarisches Teilstück der Brücke noch eine sehr lange Erhaltungsfähigkeit besitzt. Dabei wurden jedoch nicht die geltenden und von der Bahn anerkannten Regelwerke benutzt. Im Rahmen eines weiteren unabhängigen Gutachtens sollen nun Machbarkeit und Auswirkungen einer möglichen Sanierung im Vergleich zum Neubau geprüft werden.

Zur Geschichte der Sternbrücke
1866 wurde eine neue Eisenbahnlinie zwischen Hamburg und Altona eröffnet, die zunächst ebenerdig über die Kreuzung führte. Aufgrund des zunehmenden Verkehrs entstand 1893 die erste eiserne Sternbrücke, eine Vollwandbalken- und Fachwerkbogenbrücke mit reich verziertem Geländer. Schon nach wenigen Jahrzehnten konnte die Brücke jedoch die steigenden Verkehrslasten nicht mehr tragen, so dass 1925/1926 der Neubau der heutigen Konstruktion erforderlich war - ein kühnes Vorhaben angesichts der engen Wohnbebauung und des weiterlaufenden Bahnverkehrs.

Die stählerne Balkenbrücke ist 75 Meter lang und 17 Meter breit und ist aufgelöst in zwei Brückenelementen mit je zwei Gleisen. Die Formensprache ist streng aus dem Werkstoff und der Konstruktion abgeleitet und die Gestaltung anspruchsvoll. Bei der Übergabe 1926 wurde die Brücke daher auch als "Glanzleistung deutscher Technik" gefeiert. Verwendet wurde hochfester Stahl St 48, eine besonders gute Stahlqualität, die von der Bahn in der Zeit überall neu eingesetzt wurde. Die hohe Qualität des Stahls ist auch der Grund dafür, dass die Brücke noch eine lange Lebensdauer hätte. Unter Denkmalschutz steht das gesamte Ensemble aus Brückenbauwerk und Widerlagern mit Ladengeschäften von 1926. Die stadträumliche Situation unter der Brücke besitzt einen hohen individuellen Erinnerungswert und macht sie zu einem der psychogeographisch bedeutendsten Orte im Hamburger Nachtleben. Die visuellen Qualitäten der Brücke wurden 2018 noch einmal bei einem Fotowettbewerb im September 2018 dokumentiert.

Wenn Sie auf die Mitte des untenstehenden Fotos klicken, öffnet sich eine Bildergalerie. In den Bildunterschriften ist zu erfahren, welche Gebäude bei einem Brückenneubau alle vom Abriss betroffen wären.

Historisches Foto: Hamburg-Motiv.de, aktuelle Fotos: Kristina Sassenscheidt