Die denkmalgeschützten Brücken bilden ein national bedeutendes Ensemble, das aus insgesamt vier Brückenkonstruktionen besteht und aus ingenieurbau- und verkehrsgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz steht. Die Straßen- und Schienenverbindung Richtung Süden gilt jedoch als Nadelöhr und muss laut Verkehrsbehörde ausgebaut werden. Bei einer Landespressekonferenz im Februar 2026 verkündeten Deutsche Bahn und Verkehrsbehörde den geplanten Abriss des gesamten Ensembles. Der Denkmalverein plädiert für eine Veröffentlichung aller aktuellen Gutachten und eine Sicherung und Einlagerung der historischen Bauteile.

Freihafen-Elbbrücke

Die westlich liegende Freihafen-Elbbrücke wurde 1926 errichtet und ist einzigartig in ihrer besonderen Konstruktion (Fachwerkbogenträger mit Zugband, sogenannte „Deutsche Bögen“, mit zwei Geschossen). Für die Brücke wurde eine besonders gute Stahlqualität verwendet, zudem soll die Konstruktion noch große, ungenutzte statische Potentiale besitzen. Der Experte für historische Stahlkonstruktionen, Werner Lorenz von der TU Cottbus, hat daher in einem Gutachten von 2018 festgestellt, dass die Brücke vollständig erhalten werden könnte. Dennoch plant die Verkehrsbehörde bereits seit Jahren einen Teilabriss: So soll die bedeutende Unterkonstruktion ebenso wie die Fahrbahn ersetzt werden, und es sollen nur die beiden äußeren Brückenbögen ab einer Höhe von 1,5 m oberhalb der Fahrbahn erhalten werden. Erste Studien zeigen zudem, dass die geplante Kapazitätserweiterung sich nicht mit dem aktuellen Standort der denkmalgeschützten Brücke vereinbaren lässt. Bei einer Schiffshavarie im Jahr 2025 wurde der mittlere Bogen stark beschädigt, was die Zukunft der Brücke noch ungewisser machte.

Norderelbe-Bahnbrücke

Die östlich liegende Norderelbe-Bahnbrücke wurde zwischen 1926 und 1927 im Auftrag der Reichsbahn errichtet. Der moderne und funktionale Zweckbau ersetzte damals eine zu klein gewordene Vorgängerbrücke. Die Überbauten wurden stilistisch an die benachbarte Freihafen-Elbbrücke angelehnt und ebenfalls mit „Deutschen Bögen“ als Hauptträger errichtet. Die insgesamt viergleisige Brücke besitzt zwei westliche Gleise für den Güterverkehr, zwei östliche für den Personenverkehr und seitliche Stege für den Fußgängerverkehr. Die Norderelbe-Bahnbrücke ist die älteste erhaltene Bahnbrücke über die Norderelbe und in ihrer Dimension in Hamburg einzigartig. Sie steht unter Denkmalschutz aus geschichtlichen, stadtprägenden und ästhetischen Gründen. Darüber hinaus hat sie einen immensen ingenieurbaugeschichtlichen Wert: als herausragendes Zeugnis des Ingenieurbaus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie der Entwicklung des Stahlbrückenbaus in Deutschland und als Beleg ausgezeichneter bautechnischer Kenntnisse der Reichsbahn. Wie bei der zeitgleich entstandenen Sternbrücke in Altona wurde hier erstmalig hochfester Stahl verarbeitet. Trotzdem kündigte die Deutsche Bahn bereits 2022 an, dass sie auch die Norderelbe-Bahnbrücke abreißen will und beruft sich dabei auf eine Machbarkeitsstudie. Das Denkmalschutzamt hingegen verlangte die sorgfältige Prüfung von Sanierungsvarianten und den längerfristigen Erhalt des Denkmals.

Am 24. Februar 2026 verkündeten Verkehrsbehörde und Deutsche Bahn im Rahmen einer Landespressekonferenz des Ergebnis eines Planungswettbewerbes für das gesamte Brückenensemble: Es sollen drei neue Brücken gebaut und nur noch einzelne Teile der Freihafenelbbrücke erhalten werden.

Der Denkmalverein erwartet, dass die Freie und Hansestadt Hamburg dieses wichtige technische Denkmal-Ensemble soweit wie möglich für die Nachwelt erhält. Dazu ist die Stadt auch laut dem ersten Paragrafen ihres Denkmalschutzgesetzes verpflichtet, der ihr eine Vorbildfunktion im Umgang mit ihren Denkmälern vorschreibt. Die Wirtschaftsbehörde sollte daher prüfen, ob die Norderelbe-Bahnbrücken ebenso wie der Mittelteil der Freihafenelbbrücke schonend ausgebaut und zwischengelagert werden können, damit sie als historische Zeugnisse gesichert und später an anderer Stelle genutzt werden können. Das ist bereits erfolgreich mit der „Wassertreppe 51“ im unweit der Elbbrücken gelegenen Elbpark Entenwerder geschehen, die jetzt als Fußgänger-Verbindung zum Entenwerder1-Café dient. Es gibt in Hamburg nur noch wenige historische Brücken aus den 1920er Jahren.

Fotos: Fotografie Dorfmüller Klier, Heinz Brossolat, Kristina Sassenscheidt, Lisa Kosok