Es geht zum Glück fast nie ohne Lärm ab, wenn ein prägendes Bauwerk aus Hamburgs Stadtbild verschwindet. Ganz anders war es im Fall der Fußgänger-Brücke hinter dem Dammtor-Bahnhof: Im Sommer 2020 war sie auf einmal weg. Seit Ende 1962 führte die Dag-Hammarskjöld-Brücke Zugreisende und Passanten in einem elegantem und zugleich zeittypischen Schwung über den gleichnamigen Platz – die Einfahrt zum CCH – Richtung Stephansplatz und Gustav-Mahler-Park. Der nördliche Teil des Stahlbeton-Bauwerks fiel nun der Neugestaltung des CCH-Umfeldes zum Opfer.

Der Namensgeber Dag Hammerskjöld wurde im April 1953 zum zweiten Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt. Im September 1961 starb er bei einem Flugzeugabsturz in Afrika, der mutmaßlich bewusst herbeigeführt wurde – und dessen genaue Umstände bis heute nicht endgültig geklärt sind.

Bei der Einweihung der Dag-Hammerskjöd-Brücke im Dezember 1962 erklärte der damalige Bausenator Rudolf Büch laut der Tageszeitung "Die Welt", dass sich der Generalsekretär Hammerskjöld die Aufgabe gesetzt habe, Brücken von Land zu Land und von Mensch zu Mensch zu schlagen. Daran solle auch denken, wer über diese Brücke gehe.

Wie die UN steht allerdings auch die Idee, den Fußverkehr von der Straße zu lösen, für den Zeitgeist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Vorteile dieser Konzeption werden offenbar heute nicht mehr gewürdigt, und so musste eine Hälfte der erst im Jahr 2015 sanierten Fußgänger-Querung weichen, obwohl sie immer sehr intensiv genutzt wurde. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass der östliche Teil der Dag-Hammarskjöld-Brücke, der über den Dammtordamm führt und den Gustav-Mahler-Park mit Planten und Blomen verbindet, nicht auch eines Tages sang- und klanglos verschwindet.

Fotos: Sarah C. Schreiner