Angesichts des demographischen Wandels und der Zunahme von Single-Haushalten in den deutschen Großstädten besitzt ein historisches Gebäude in der Hamburger Innenstadt ein sehr zeitgemäßes Konzept - das Ledigenheim Hamburg. Es befindet sich zwischen den Straßen Rehhoffstraße und Herrengraben in der südlichen Neustadt unweit vom Michel und wurde 1912 von den Architekten Ernst Vicenz und Wilhelm Behrens erbaut. Bemerkenswert an dem seinerzeit hochmodernen Bau ist die Philosophie hinter dem Nutzungskonzept: 112 Bewohner fanden in 8m²-großen Zimmern Platz. Zudem teilten sich die Bewohner Gemeinschaftsräume wie einen Lese- und Speisesaal, eine Gaststätte und ein Badehaus. Die Miete beinhaltete darüber hinaus soziale Dienste wie Zimmerreinigung und Wäscheservice.

Über viele Jahrzehnte diente das Ledigenheim vor allem ledigen Seemännern und Hafenarbeitern als Zuhause. Die Hausgemeinschaft sollte durch die Vielzahl an Gemeinschaftsbereichen und -angeboten unterstützt und gestärkt werden. Diese förderten die Begegnungen und den Austausch der Bewohner untereinander, aber auch zur Nachbarschaft, und waren zugleich als Ergänzung zu den kleinen privaten Einzelzimmern gedacht.

Ab der 1990er Jahre wechselte das Haus mehrfach seinen Besitzer. Dabei wurden stückweise Gemeinschaftsräume zur Profitoptimierung ausgegliedert und anderweitig vermietet, soziale Angebote wurden eingestellt und die Anzahl der vermieteten Wohnungen auf 120 nachverdichtet. Mit den Veränderungen verlor das Gebäude seine wichtigste Eigenschaft – das sozial orientierte Raum- und Nutzungskonzept. Aus der daraus resultierenden Unzufriedenheit der Bewohner bildete sich eine Initiative bestehend aus Bewohnern, Nachbarn und dem Verein „Ros e.V.“. 2009 reichte der damalige Eigentümer einen Umbauantrag beim Bezirksamt ein mit dem Ziel, das Ledigenheim aufzulösen und aus dem Bestand ca. 40 große Wohneinheiten zu machen. Glücklicherweise lehnte die Stadt den Entwurf ab.

Zwei der Initiatoren, namentlich Antje Block und Jade Jacobs, gründeten in der Folge dieser Entwicklungen 2013 eine kleine Stiftung und begannen damit Spenden für Rettung des Ledigenheims zu sammeln. Nach über drei Jahren intensiver Arbeit waren mit großer Unterstützung vieler Hamburgerinnen und Hamburger endlich die Mittel zusammen, um das Denkmal dem damaligen Eigentümer, einem Dänischen Immobilienfonds, abzukaufen und es in die gemeinnützige Stiftung zu überführen.

Nach dem Ankauf und der damit erfolgten Rettung des Hauses soll nun die Sanierung erfolgen - ein letzter gewichtiger Schritt zum langfristigen Erhalt des gelebten Hamburger Denkmals.

Aktuelle Fotos: Antipas Papageorgiou