16.3.2018

Als in den 1970er Jahren der ehemalige Hamburger Stadtteil Neuhof für den Bau der Köhlbrandbrücke abgerissen wurde, ist auch die Grundschule des Stadtteils geschlossen worden und dokumentiert bis heute das einstige Arbeiterquartier. Die im Jahre 1913 erbaute Schule am Neuhöfer Damm 95 wurde zuletzt von 1990-2007 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Nun steht das verlassene Bauwerk mit ausnahme einer temporären Zwischennutzung der unteren Etagen seit über 10 Jahren leer, und mit jedem Jahr verschlechtert sich die Bausubstanz. Obwohl Fenster und Türen im Erdgeschoss verriegelt wurden, gibt es regelmäßig neue Schäden durch Vandalismus.

Die rote Backstein-Fassade wird durch die geometrische Anordnung großer Fensterflächen und eine zurückhaltende Ornamentik gegliedert. Der Architekt des Gebäudes ist unbekannt - die Architektursprache legt zwar den Verdacht nahe, dass sie von dem Hamburger Baumeister Fritz Schumacher stammt, dieser war jedoch zur Bauzeit nicht für Wilhelmsburg zuständig. Die alten Schul-Grundrisse wurden in den 1990er Jahren für die Nutzung als Unterkunft angepasst, große Räume verkleinert und neue Sanitärräume eingerichtet, davon abgesehen ist das Baudenkmal bis heute weitgehend unverändert.

Eigentümer des Gebäudes ist die Hamburg Port Authority (HPA), die nach Auskunft im März 2018 eine interne Nutzung prüft. Der Denkmalverein hält es für dringend geboten, den historischen Schulbau durch Sicherungsmaßnahmen vor dem weiteren Verfall zu bewahren, ihn zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Da in dieser Lage nur hafenkonforme Nutzungen möglich sind, läge eine kreativwirtschaftliche Nutzung nahe.

Fotos: Kristina Sassenscheidt