2.11.2020

An der Notkestraße 23 in Hamburg-Bahrenfeld steht ein historisches Gebäude mit einer bewegten Nutzungsgeschichte: Um 1914 als "Kasino der Artilleriekaserne" errichtet wurde es 1921 zur Schule für die Kinder der "Siedlung Steenkamp" umgebaut, später beherbergte es die Militärverwaltung der Engländer und ist heute eine beliebter Jugendtreff. Nun plant die Stadt jedoch, es im Zuge der Neubau-Planungen für die "Science City" abzureißen. Engagierte Anwohnende von der "Heimstättervereinigung Steenkamp e.V." wollen das Gebäude erhalten und haben daher eine Petition ins Leben gerufen.

Zur Geschichte
An alles war 1920 beim Bau der Steenkampsiedlung gedacht worden: An bezahlbaren Wohnraum, Geschäfte, eine Gaststätte und einen Veranstaltungssaal (Steenkampsaal). Nur eine eigene Schule fehlte zunächst. Die Kinder der neuen Siedlung mussten zur Schule in der Schumannstraße (heute Regerstraße) oder in andere Schulen in Altona gehen. Eingaben der Siedler an die Schulverwaltung hatten jedoch Erfolg, und ab Ostern 1921 konnte eine Klasse für das erste Schuljahr in dem ehemaligen Kasino der Artilleriekaserne in der Möllner Straße 23 (heute Notkestraße) eingerichtet werden.

Schon bald wurde das Gebäude zu eng für die steigenden Schülerzahlen in dem stetig wachsenden Stadtteil. In einer Denkschrift der Steenkamper Bürger an den Magistrat der Stadt Altona vom 1.2.1926 stellte man fest, dass die Siedlung bereits 729 Familien mit 2479 Personen umfasste, zuzüglich ca. 50 Familien in der Emmichstraße. Dabei betrug der Anteil Kinder von 4 bis 14 Jahre zusammen 640. Eine Erweiterung der Schule wurde daher dringend gefordert.

Im Januar 1928 wurde ein lichtdurchflutete Erweiterungsbau eröffnet. Damit hatte Steenkamp „einige der schönsten Schulräume Altonas“. An ihrem Ausbau wirkten auch die Eltern der Steenkamper Kinder maßgeblich mit, z.B. bei der Schulbühne. Mit diesen Räumen konnten auch neuzeitliche pädagogische Konzepte ausprobiert werden, die laut der Heimstättervereinigung für die ganze Republik richtungsweisend waren. Eine Zeit lang kam die Schule sogar ohne einen Rektor aus. (Der Erweiterungsbau existiert heute nicht mehr.)

Zum Ende des Weltkrieges übernahmen die Besatzungsmächte das Steenkamper Schulgebäude als Verwaltungsstelle. Um so dringlicher war ein Schulneubau am Osdorfer Weg.

Aktuell ist das historische Schulgebäude in akuter Gefahr: Im Zuge der Änderung des Flächennutzungsplans im Zusammenhang mit dem A7 Deckel und der geplanten „Science City“ ist das Grundstück an der Notkestraße 23 für die Bebauung der Universität vorgesehen. In der Steenkampsiedlung gilt seit 2001 eine Gestaltungsverordnungen nach § 81 HBauO, die jedoch nicht die „alte Steenkamper Schule“ einschließt. Der Denkmalverein unterstützt die Forderung der Initiative, das identitätstiftende und stadtbildprägende Gebäude zu erhalten und in die Planung des neuen Hochschulquartiers zu integrieren.

Fotos: Heimstättervereinigung Steenkamp e.V.