Am Hainholzweg 140 in Harburg droht gerade ein seltenes Beispiel für eine historische Sommerresidenz verloren zu gehen. Obwohl die Villa baulich vollkommen intakt ist und das Archäologische Museum Hamburg ihre stadtgeschichtliche Relevanz bestätigt, soll sie nun für den Bau von Mehrfamilienhäusern abgerissen werden.
Das Gebäude wurde 1914 im Auftrag des Harburger Kaufmanns Arthur Helms (1875–1923) errichtet. Als Sohn des Senators und Kaufmanns August Helms (1847–1920) entstammte er einer Familie, die das öffentliche und kulturelle Leben Harburgs über Jahrzehnte maßgeblich prägte. Der Bau steht inmitten der einst dichtbewaldeten "Haake". Die Bevölkerung hatte im industrialisierten Harburg großes Verlangen nach frischer Luft und Naturerlebnissen, und so war die Haake als Wald- und Flurgebiet bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsgebiet mit vielfaltigen Ausflugslokalitäten. Das Helm´sche Waldhaus wurde für eine rein private Sommernutzung für Ausfahrten und kurze Aufenthalte der Familie Helms gebaut. Die spätklassizistische Fassade mit ihrem Säulen-Portikus, ihrer Putzfassade und seitlichen Giebelausbildungen besitzt eine zurückgesetzte Loggia mit Säulenpaar und Kuppeldach, die übrigen Dachflächen sind als Walmdächer ausgebildet. Der Bau gilt heute als seltenes Beispiel für eine private Ausflugsvilla als Komplementär zur Villenbebauung in Heimfeld und EiBendorf.
Zuletzt wurde die Villa als Einfamilienhaus genutzt und steht seit ca. 2017 leer. Ihr Äußeres ist bis auf wenige Anbauten aus der Bauzeit erhalten. Im Inneren könnte noch ein Teil der originalen Ausstattung erhalten sein, wobei eine vertiefte Untersuchung der verschiedenen raumbildenden Schichten der Wände, Böden und Decken noch aussteht. Dennoch hat das Denkmalschutzamt das Gebäude als nicht denkmalwürdig eingestuft, mit der Begründung, es gäbe zu viele nachträgliche Veränderungen. Im Mai 2026 berichtete die Presse, dass noch 2026 auf dem Flurstück ein Mehrfamilienhaus errichtet werden soll. Jens Brauer, Leiter der Abteilung Stadtgeschichte im Archäologischen Museum Hamburg, konstatierte gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Bei dem Haus handelt es sich tatsächlich um ein bemerkenswertes und einzigartiges Zeugnis der Harburger Stadt- und Baugeschichte“.
Mittlerweile wurden durch Rodung einige hochstämmige Kiefern im Vorgarten und am Gehweg gefällt. Der hintere Teil des leicht abschüssigen Gartens weist teilweise alten Baumbestand auf. Das Archäologische Museum Harburg plädiert ebenso wie der Denkmalverein für ein sofortiges Abriss-Moratorium und eine erneute Prüfung der Denkmalwürdigkeit. Die Nachbarscahft und die lokale Politik hat bereits großes Interesse am Erhalt geäußert.
Historische Postkarte (1907 verschickt): Sammlung Stadtmuseum Harburg
Fotos 2026: Angela Reuland