3.4.2020

Am stärksten vom Abbruch bedroht sind in Hamburg aktuell die ein- bis dreistöckigen Gebäude, davon zahlreiche aus der Gründerzeit. Viele dieser Bauten wurden bereits zu stark verändert oder stehen zu vereinzelt, als dass sie noch unter Denkmalschutz gestellt werden können. In den vergangenen Jahrzehnten lehnte das Denkmalschutzamt aber auch regelmäßig Unterschutzstellungen von Gründerzeitbauten mit der Begründung ab, dass die jeweiligen Objekte nicht genug Seltenheitswert oder Qualität besäßen, um unter Schutz gestellt zu werden – eine Haltung, die angesichts der inzwischen zahlreichen Verluste zu überprüfen wäre. Denn an vielen Stellen in Hamburg droht die dynamische Stadtentwicklung gerade überlieferte Qualitäten zu vernichten und das Stadtbild massiv zu verändern.

Dabei besteht der Wert der gründerzeitlichen Bauten nicht nur in ihrer Bedeutung für die Stadtentwicklungsgeschichte und darin, dass sie zum vertrauten Stadtbild gehören: Auch ökologisch gesehen ist es heutzutage nicht mehr vertretbar, funktionierende Gebäude abzureißen, anstatt sie energetisch zu ertüchtigen, weiter zu nutzen und ggf. auch weiterzubauen. Denn zum einen vernichtet man bei einem Abbruch die bereits verbaute „graue Energie“ und erzeugt neuen CO2-Ausstoß durch Abriss und Neubau. Zum anderen bestehen Gründerzeitbauten aus ökologisch unbedenklichen Materialien wie Holz oder Backstein und überliefern traditionelle und nachhaltige Handwerkstechniken.

Um Gründerzeit-Bauten vor dem Abbruch zu bewahren, gibt es neben dem Denkmalschutz ein weiteres Instrument: Die sogenannten Städtebaulichen Erhaltungsverordnungen dienen dazu, Ensembles zu erhalten, die das Stadtbild prägen. Sie werden von den Stadtplanungsabteilungen der Bezirke erarbeitet und von den Bezirken erlassen, häufig in Abstimmung mit der Städtebaulichen Denkmalpflege des Denkmalschutzamtes.

Wenn jedoch selbst dieses Instrument nicht angewendet werden kann, bleibt als letzte Möglichkeit, sich zu einer Bürgerinitiative zusammenzuschließen und mithilfe der Medien öffentlichen Druck aufzubauen. Ein erfolgreiches aktuelles Beispiel für eine solche Initiative ist die Rettung der Villa Fährhausstraße 22. Der Denkmalverein Hamburg unterstützt ein solches bürgerschaftliches Engagement und steht bei Bedarf gerne unter der E-Mail-Adresse info@denkmalverein.de für Fragen zur Verfügung.

Die untenstehende Bildergalerie zeigt inzwischen abgerissene Gründerzeit-Gebäude und ihre jeweiligen Nachfolgebauten.

Fotos: Stefan Bick, Sigurd Born, Kristina Sassenscheidt