14.7.2020

Die Bauten der 1950er Jahre haben es in Hamburg nicht leicht – nun droht ein weiteres elegantes Dokument dieser Zeit zu verschwinden: Das Café Seeterrassen in der denkmalgeschützten Parkanlage Planten un Blomen. Aktuell sammelt Claas Gefroi, Architekturkritiker und Vorstandsmitglied im Denkmalverein, mit einer Online-Petition Stimmen für die Erhaltung.

Ein besonderer Charme von Planten un Blomen liegt in der nahezu ungestörten Illusion, beim Betreten eine Art Zeitreise in die Nachkriegszeit zu unternehmen: Üppige Blumenrabatten, geometrische Wasserbecken und zahlreiche sorgfältig gestaltete Platzanlagen vermitteln das Lebensgefühl und die gestalterischen Qualitäten eines gesellschaftlichen Wiederaufblühens nach den Schrecken des zweiten Weltkrieges – ungestört von Neubauten, die diese Illusion sofort zerstören würden. Mehrere Internationale Gartenbauausstellungen (1953, 1963 und 1973) haben die Anlage immer wieder neu geprägt, und das Café Seeterrassen gehört heute zu den wenigen Bauten, die noch aus den 1950er Jahren erhalten sind.

Entworfen hat es der Hamburger Architekt Ferdinand Streb, der nach dem Krieg auch den Alsterpavillon, das Springer Verlagshaus und die Idunabauten nahe der Alster schuf und zudem einer der Planer der Grindelhochhäuser war. Als bescheidenes aber doch elegantes Bauwerk ist das Café daher ein wichtiges Zeitzeugnis der Nachkriegsmoderne, steht jedoch aufgrund von nachträglichen Veränderungen leider nicht unter Denkmalschutz. Der Pavillon wurde als Teil des Parks für die Internationale Gartenbauausstellung 1953 errichtet. Der moderne Cafébau war eine wichtige Korrektur der vom NS-Geist durchwehten Gestaltung der Niederdeutschen Gartenschau 1935, die hier eine niederdeutsch anheimelnde Bauernschänke mit Reetdach hinterlassen hatte. Im Aufbruch der Nachkriegszeit wollte man sich jedoch zu einer bescheidenen Moderne bekennen, so die Einschätzung von Frank Pieter Hesse, dem ehemaligen Landeskonservator Hamburgs.

Das Café Seeterrassen ist ein integraler Bestandteil der Parkanlagen und fügt sich mit seiner Winkelform sensibel in die Topographie am Parksee. Architektonisch ist das Gebäude herausragend: Helle Steinverkleidungen, große Glasflächen, elegant geschwungene Treppen sowie ein auskragendes flaches Dach prägen den zweistöckigen Pavillonbau. Die dazugehörigen Terrassen betten ihn behutsam ein die Parklandschaft. Durch eine fachgerechte Sanierung und Modernisierung könnte der Bau zu überschaubaren Kosten wieder zu einer beliebten Ausflugsadresse Hamburgs und zu der architektonischen Kostbarkeit werden, die es einst war. Bundesweit sind bereits vergleichbare Parkcafés saniert worden, wie z.B. der Seepavillon an der Buschmühle Dortmund oder das Nola im Berliner Weinbergspark. Ein Abriss des Café Seeterrassen hingegen würde einen irreparablen Schaden für das Parkdenkmal Planten un Blomen bedeuten, das zu den bekanntesten Parks in Deutschlands zählt.

Aktuellen Presseberichten ist zu entnehmen, dass das Gebäude und die Planung des Neubaus von der Sprinkenhof GmbH in die Hände der Hamburg Messe und Congress GmbH übergeht. Es drängt sich der Eindruck auf, dass in einem öffentlichen Parkgelände eine Location realisiert werden soll, die für Events und geschlossene Veranstaltungen der Hamburg Messe u.ä. genutzt wird. Dadurch würde ein bislang öffentlicher Ort der Allgemeinheit entzogen und der Charakter des Parks massiv gefährdet.

Abriss und Neubau dürften in heutigen Zeiten keine Option mehr sein. Schon aus ökologischen Gründen sollte das Bauen im Bestand und die Ertüchtigung von Vorhandenem oberste Priorität haben. Da die Stadt Hamburg selbst Eigentümerin des Gebäudes ist, ist sie keinen Ansprüchen Dritter unterworfen und sollte an dieser Stelle ein Zeichen für die historische Baukultur und eine nachhaltige Stadtentwicklung setzen.

Modellaufnahme: Rud. Ohnesorge (Hamburg)
Historische Fotos: Grubenbecher, Photo Kay (Hamburg)
Aktuelles Foto: Fotografie Dorfmüller Klier