Die Schaugewächshäuser in Planten un Blomen sind aktuell in mehrfacher Hinsicht gefährdet: Zum einen stehen sie seit Jahren leer und warten auf ihre Sanierung, zum anderen könnten die Neubau-Planungen für die Bucerius Law School das Ensemble der Gewächshäuser mit den Mittelmeerterrassen in seiner Gesamtwirkung beeinträchtigen.

Das denkmalgeschützte Parkensemble „Planten un Blomen“ gehört zu den wichtigsten historischen Parks bundesweit. Die anlässlich der IGA 1963 von dem Architekten Bernhard Hermkes entworfenen Glashäuser besitzen eine ungewöhnliche außenliegende Tragkonstruktion und eine abgestufte ‚Dachlandschaft‘. Sie bildet gemeinsam mit den diffizil in den Hang gearbeiteten Mittelmeerterrassen eine gestalterische Einheit, die als Gesamt-Ensemble unter Denkmalschutz steht.

Seit mehreren Jahren stehen die Gebäude jedoch leer und verfallen, obwohl vom Bund rund 13 Millionen Euro für die Sanierung zugesagt wurden, die wiederum durch eine Ko-Finanzierung in derselben Höhe aus dem Hamburger Haushalt ergänzt werden sollen. Zum aktuellen Stand befragt gab die zuständige Wissenschaftsbehörde im Juli 2022 die Auskunft, dass die jahrelange Verzögerung auf die Komplexität des Bauvorhabens zurückzuführen sei, für das man lange kein geeignetes Unternehmen gefunden habe. Nach aufwendigen Voruntersuchungen (Schadstoff-, Baugrund-, Bausubstanzuntersuchungen sowie bauhistorische und pflanzenhistorische Untersuchungen mit Handlungsempfehlungen und Restaurierungskonzepten) soll die Fassadenkonstruktion komplett neu errichtet werden. Mittlerweile habe die Behörde ein Unternehmen für das Sanierungsvorhaben gefunden. „Zur Fortsetzung der Planung wird der Senat der Hamburgischen Bürgerschaft eine Drucksache zur Entscheidung vorlegen", so die Auskunft.

Eine weitere mögliche Gefährdung geht von den Plänen der Bucerius Law School und der ZEIT-Stiftung aus, die hinter den Schaugewächshäusern einen mehrstöckigen Neubau vorsehen. Wenn dieser deutlich über die Firstlinien der Gewächshäuser hinausragen würde, könnte er deren differenzierte Dachlandschaft und damit auch die Sichtachsen aus dem Park beeinträchtigen. Ein erster Austausch in Form einer öffentlichen Diskussionveranstaltung im Jahr 2017 ließ hoffen, dass die Bauherren dieser Gefahr mit einer sensiblen architektonischen Gestaltung begegnen werden. Dennoch sind negative Auswirkungen auf das Ensemble der Gewächshäuser aktuell noch nicht ausgeschlossen. Im Sommer 2022 fand eine gemeinsame Begehung mit den Bauherren und mehreren Gartenverbänden statt, bei der die möglichen Auswirkungen der Neubauten auf das Ensemble und auf den Park diskutiert wurden. Die Gespräche werden fortgesetzt.

Fotos: Fotografie Dorfmüller | Klier, Kristina Sassenscheidt, Elinor Schües