Quasi über Nacht ist der Stadtteil Osdorf um ein Kleinod ärmer geworden: Die Immobilienentwickler Bastian Grell und Christian Kröncke haben unrechtmäßig ein hundertjähriges Gebäude abgerissen, um an seiner Stelle Neubauten zu errichten.

Die beiden Immobilienentwickler haben Anfang 2021 das großzügige Grundstück Ecke Polostraße/Heimburgstraße gekauft, um darauf vier Neubauvillen zu bauen. Auf dem Grundstück befand sich jedoch noch ein seltenes "Chauffeurshäuschen" mit Backsteinmauerwerk und Reetdach. Diese Baugattung entstand in der Anfangszeit des Automobilismus, als der Besitz eines Autos noch einen großen Luxus darstellte, für den man einen eigenen Fahrer benötigte, der das Auto kontinuierlich instandhielt und fuhr.

Der aufmerksamen Nachbarschaft war das ungewöhnliche Gebäude aufgefallen, und sie sammelte Unterschriften und bat das Denkmalschutzamt, es auf seine Denkmalwürdigkeit hin zu überprüfen. Das Amt vereinbarte daraufhin einen Ortstermin mit den neuen Bauherren - die das Gebäude noch vor dem Termin im August 2021 ohne Abbruchgenehmigung abreißen ließen. Eine solche Skrupellosigkeit ist für die Hansestadt durchaus bemerkenswert, insbesondere weil die beiden Projektentwickler sich auf ihrer Homepage auf "die Werte und Tugenden Hamburger Kaufleute" berufen.

Die Pressestelle der Behörde für Kultur und Medien bestätigte auf Anfrage der Presse, dass der voreilige und illegale Abriss des Hauses bedauerlich sei, zumal das Denkmalschutzamt mit dem Unternehmen durchaus einen gemeinsamen Weg hätte finden können, bei dem Neubau und Erhalt des Gebäudes miteinander worden wären. Leider ist laut Angabe der Behörde keine Strafe möglich, weil das Gebäude noch nicht unter Denkmalschutz stand. Es bleibt sehr zu hoffen, dass die Immobilien-Entwickler Grell & Kröncke in Zukunft keine Verantwortung mehr für historische Bauten dieser Stadt übertragen bekommen.