23.4.2019

Die moderne, autogerechte Großstadt: Diesem städtebaulichen Leitbild folgend entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg überall in der Innenstadt Parkhäuser, die die Autos der arbeitenden Pendler beherbergten. Die neue Bauaufgabe „Parkhaus“ war ebenso wie die großen Büro-Hochhäuser ein wichtiger architektonischer Ausdruck des Wirtschaftswunders. Ihre teilweise hohe gestalterische Qualität brachte den Stolz der Gesellschaft auf den motorisierten Individualverkehr zum Ausdruck. Heute träumt Hamburg von der „autofreien Innenstadt“, und die Parkhäuser der Nachkriegsjahre sollen peu a peu anderen Nutzungen Platz machen. Dabei sind sie nicht nur Zeugnisse eines vergangenen städtebaulichen Ideals, sondern besitzen teilweise große baukulturelle Qualitäten.

Das Parkhaus am Rödingsmarkt 14 wurde 1965 für die Sprinkenhof AG nach Plänen des Architekten Peter Neve errichtet. Das Büro Sprotte & Neve gehörte zu den namhafteren Architektbüros der Nachkriegszeit in Hamburg. Von außen ist das Gebäude eher schlicht und funktional gestaltet, mit einem hohen, offenen Sockelgeschoss und einer horizontalen Gliederung weißgekachelter Brüstungsflächen darüber. Wenn man jedoch das Innere betritt, eröffnet sich ein spektakulärer Lichthof mit einer sehr grafisch wirkenden Erschließungsspindel. Ihr großzügiger ovaler Grundriss wird von einer flachen Kuppel überfangen. In ihr sind Glasbausteine in Form einer Blume eingelassen, die ein diffuses Licht erzeugen und geradezu sakral wirken. Vorbeifahrende Autos erzeugen ein „raunendes Klangbild“, das die besondere Stimmung der Halle akustisch untermalt. Aufgrund der besonderen Atmosphäre dieses Lichthofes fanden hier seit der Bauzeit immer wieder Film- und Werbeaufnahmen statt.

Alle Experten, die sich bislang mit dem Parkhaus am Rödingsmarkt beschäftigt haben, bewerten es wegen seiner sehr guten Überlieferung, seiner Vollständigkeit mit Parkhaus, Tankstelle, Werkstatt, Waschanlage und seiner besonderen Gestaltung als das bemerkenswerteste der Hamburger Parkhäuser. Der Denkmalverein plädiert daher dringend dafür, das Parkhaus nicht nur zeitnah unter Schutz zu stellen, sondern auch zu prüfen, inwiefern das Gebäude z.B. durch Aufstockungen "weitergebaut" werden kann sowie im Falle eines möglichen Funktionsverlustes eine zeitgemäße Form der Nutzung zu suchen. Im Jahr 2018 hat bereits ein studentisches Entwurfsprojekt gezeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten einer Aufstockung für Wohnen sind. Eine aktuelle Studie zu Umnutzungen von Gewerbebauten zu Wohnungen belegt, wie sinnvoll das Weiternutzen von Parkhäusern ist, und auch die Architektenschaft hat die städtebaulichen und ökologischen Potentiale bereits erkannt.

Fotos: Chris Zander, Kristina Sassenscheidt