30.5.2019

Die Beiersdorf AG ließ 1970 vom Stuttgarter Architekturbüro Siegel, Wonneberg und Partner ein Forschungszentrum an der Troplowitzstraße 15 (Ecke Wiesingerweg) errichten. Der Gebäudekomplex besteht aus einem Labor-, Bibliotheks- und Vortragsgebäude, die aus baukonstruktiven und gestalterischen Gründen sowie städtebaulichen und historischen Gründen unter Denkmalschutz stehen. Seit einigen Jahren plant der Beiersdorf-Konzern, sein Werksgelände am Standort Hamburg-Eimsbüttel bis zum Jahr 2021 zu erneuern und zu erweitern. Hierfür ist u. a. der Abriss dieses Forschungszentrums vorgesehen, um stattdessen Neubauten für die Konzernzentrale sowie neue Forschungsgebäude zu errichten.

Das historische Laborgebäude besteht aus Stahlbetonfertigteilen mit tragenden Außenwänden aus markanten Tafelelementen, die an den lang gestreckten Längsseiten der zwei horizontal verschobenen Gebäudescheiben skulpturale Wandansichten hervorbringen (siehe Bildergalerie unten). Es gibt vier verschiedene Typen von Fassadenplatten, an denen sich die sowohl die Nutzung als auch die Gebäudekonstruktion des Laborgebäudes ablesen lassen. Ein Brückenbauwerk verbindet das Labor mit dem Bibliotheks- und Vortragsgebäude.

Das Bibliotheks- und Vortragsgebäude besteht ebenfalls aus Stahlbetonfertigteilen, die bis heute gut erhalten sind. Der Vortragsraum ist außen mit grünblauen Fliesen verkleidet, während die restliche Gebäudefassade entweder mit Betonelementen oder Metallplatten bedeckt ist. Die Fliesen sind auch im Innenbereich (Treppenhaus) zu finden. Zum Teil ist noch die bauzeitliche Innenausstattung in der Bibliothek erhalten.

Auch wenn eine Erneuerung der unternehmerischen Infrastruktur aus ökonomischen Gründen und in Hinblick auf den internationalen Standortwettbewerb nachvollziehbar ist, so ist das Beiersdorf-Werk in Hamburg auch aus bau-, kunst- und technikhistorischer Sicht relevant und erhaltenswert: Sowohl der Gebäudetyp des Forschungslabors als auch dessen markante Fassadenkonstruktion und Materialität ist in Deutschland eine Seltenheit. Er ist Resultat des experimentellen sowie qualitativ hochwertigen Fertigteilbaus der 1960er-Jahre, der von der Beiersdorf AG damals beauftragt und in Hamburg realisiert wurde, um wachsen und international konkurrieren zu können.

Der neue "Beiersdorf Campus", der von Hadi Teherani Architekten (Konzernzentrale) sowie Brechensbauer, Weinhart und Partner Architekten (Erweiterung des neuen Forschungszentrums) entworfen wurde, soll "Langfristigkeit und Beständigkeit auf der einen und Offenheit und Mut auf der anderen Seite (…)" als Werte der Beiersdorf AG verkörpern, so der Beiersdorf-Vorstandsvorsitzende Stefan De Loecker (zitiert nach Hamburg Magazin). Ein Abriss des historischen Forschungszentrums würde jedoch nicht nur ein eingetragenes Baudenkmal, sondern auch einen baukonstruktiven und repräsentativen Zeugen der frühen Innovationsfähigkeit der Beiersdorf AG vernichten. Gemäß den genannten Beiersdorf-Werten wäre daher ein sensiblerer Umgang mit der historischen Bausubstanz wünschenswert (gewesen).

Fotos: Kristina Sassenscheidt, Bauzeitenplan: Sarah C. Schreiner