Dem ältesten Teil der Norderelbbrücken droht seit Jahren ein teilweiser Abriss - und seine Sanierung wird immer weiter verschoben.

Die Freihafen-Elbbrücke wurde 1926 errichtet und ist einzigartig mit ihrer besonderen Konstruktion (Fachwerkbogenträger mit Zugband, sogenannte „Deutsche Bögen“, mit zwei Geschossen). Das gesamte Brückenensemble besitzt sogar eine nationale historische Bedeutung aus technischen, verkehrlichen und städtebaulichen Gründen.

Für die Brücke wurde eine besonders gute Stahlqualität verwendet, zudem soll die Konstruktion noch große, ungenutzte statische Potentiale besitzen. Der Experte für historische Stahlkonstruktionen Werner Lorenz von der TU Cottbus hat daher auch in einem Gutachten aus 2018 festgestellt, dass die Brücke vollständig erhalten werden könnte. Dennoch wird seit einigen Jahren über einen Teilabriss nachgedacht. So soll die bedeutende Unterkonstruktion ebenso wie die Fahrbahn ersetzt werden, und es sollen nur die beiden äußeren Brückenbögen ab einer Höhe von 1,5 m oberhalb der Fahrbahn erhalten werden.

In einer Pressekonferenz am 17. September 2021 kündigte die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende zudem an, dass sie die anstehende Sanierung der Freihafenelbbrücke noch einmal verschieben wird, um eine mögliche weitere Brücke bauen zu können. Ob die historische Brücke zu einem späteren Zeitpunkt an derselben Stelle bleiben, ja ob sie überhaupt saniert werden soll, ist bislang laut Behörde nicht entschieden. Die vorgestellten Studien zeigen jedoch schon, dass die geplante Kapazitätserweiterung sich nicht mit dem aktuellen Standort der denkmalgeschützten Brücke vereinbaren lässt (siehe Bildergalerie).

Der Denkmalverein erwartet, dass die Freie und Hansestadt Hamburg dem ersten Paragrafen ihres Denkmalschutzgesetzes folgt und dieses wichtige technische Denkmal vorbildhaft saniert.

Fotos: Fotografie Dorfmüller Klier, Kristina Sassenscheidt, Lisa Kosok