16.3.2018

Die Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld entwarfen 1928/29 ein Geschäftshaus mit Büros, Kaufhaus, Ladenpassage, Gaststätten-/Cafébetrieben und Europas damals größtem Lichtspieltheater ("Ufa-Palast" mit 2.700 Plätzen). Das sogenannte Deutschlandhaus erstreckt sich über einen ganzen Gebäudeblock (Valentinskamp, Drehbahn) am Gänsemarkt, vis a vis der ehemaligen Finanzdeputation von Fritz Schumacher.

Seine besondere Ikonografie und Baukonstruktion basieren auf einer horizontalen Gliederung mit weißen Fensterbändern, zurückspringenden Staffelgeschossen, abgerundeten Ecken, rotem Klinker und einer innenliegenden Stahlskelettkonstruktion. Die gewählten Stützenraster und die Fassadeneinteilung ermöglichen eine flexible Raumnutzung und -einteilung bei optimaler Belichtung, so wie es Kennzeichen aller Hamburger Kontorhäuser seit dem Ende des 19. Jahrhunderts war. Somit war bereits die ursprüngliche Planung auf eine sehr wirtschaftliche Nutzung des Gebäudes ausgerichtet.

1975-78 wurde ein Gebäudeflügel an der Straße Drehbahn neu errichtet (Planung: Büro Dietrich & Partner, Hamburg), der im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Außerdem wurde die gesamte Fassade an Valentinskamp und Dammtorstraße neu errichtet, leider nur in Teilen an das Original angelehnt (Backstein statt Klinker, vereinfachte Gliederung). Ein Staffelgeschoss wurde aufgesetzt. Im Inneren scheint die Tragkonstruktion (Stahlstützen, Teile der Decken) erhalten zu sein, sie wurde jedoch mit Beton verstärkt. Die Details der Abbruchmaßnahmen 1975-78 lassen sich nicht mehr nachvollziehen. Für eine angemessene Form der Beteiligung des Denkmalschutzamtes findet sich entgegen der Darstellung in der damaligen Presse kein Beleg. Die Denkmalpflege hatte allerdings damals noch weniger Einfluss als heute, und die Erhaltung von Gebäuden aus den 1920er Jahren war keineswegs eine Selbstverständlichkeit.
2006 wurde das gesamte Gebäude noch einmal renoviert. Die baulichen Veränderungen fallen von weitem – zumindest für Laien – jedoch kaum auf. Unter Denkmalschutz konnte das Gebäude allerdings aufgrund der großen Substanzverluste nicht mehr gestellt werden.

Im Jahr 2014 erwarb die ABG Immobilien Gesellschaft das Deutschlandhaus aus einem Schweizer Immobilienfonds und plant es nun abzureißen. Die Kulturbehörde oder die Öffentlichkeit müssen dafür formell nicht beteiligt werden. Anstelle des Deutschlandhauses sollen künftig Büros und Wohnungen entstehen, die den heutigen Marktanforderungen entsprechen. Dafür beabsichtigt die ABG Unternehmensgruppe, Hadi Teherani Architekten mit der Planung zu beauftragen, die in Hamburg bereits das „Dockland“ (Neumühlen), den „Berliner Bogen“ (Hammerbrook) und die „Europa-Passage“ entworfen haben.

In den Medien wird der geplante Abriss des geschichtsträchtigen Deutschlandhauses und die mangelnde Bürgerbeteiligung als Skandal thematisiert. Das Deutschlandhaus prägt das Stadtbild und besitzt einen baukulturellen Wert für Hamburg. Sollten die Abrissbagger am Deutschlandhaus tatsächlich ihr Werk beginnen, wäre dies ein deutliches Warnsignal dafür, dass in Hamburg bald noch viele weitere, städtebaulich bedeutende Gebäude unter den Vorzeichen der marktgerechten Transformation der Stadt abgerissen werden.

Kann und will Hamburg sich einen solchen Verlust für das Stadtbild tatsächlich leisten? Der Denkmalrat bedauert in seiner Stellungnahme vom 17.1.18 den bevorstehenden Abbruch und rügt die Intransparenz des Verfahrens, bei der an einer stadtgeschichtlich und denkmalpflegerisch so zentralen Stelle Hamburgs erneut ohne jedwede öffentliche Beteiligung über Abriss und Neubau entschieden wurde. Und auch der Denkmalverein ist der Ansicht, dass das Deutschlandhaus als baukulturelles Zeugnis erhalten werden sollte und es dringend an der Zeit ist, dass die Bau- und Kulturbehörden bei vergleichbaren Immobilien-Geschäften einen stärkeren Einfluss nehmen, im Sinne des historisch gewachsenen Stadtbildes aber auch der ökologischen Gesamtbilanz .

Text: Marcus Peine, aktuelle Fotos: Sarah C. Schreiner (2018), historisches Luftbild: Hamburger Luftbild GmbH (1931)