Hamburg ist mit rund 2.500 Brückenbauwerken eine „Stadt der Brücken". Mit Abstand am prägendsten für das Bild der Stadt sind die historischen Eisenbahnbrücken, allen voran die Brücken der sogenannten „Verbindungsbahn“ zwischen Hauptbahnhof und Altonaer Bahnhof. Leider sind ausgerechnet diese für Hamburgs Stadtbild und Verkehrsgeschichte besonders bedeutsamen Eisenbahnbrücken akut bedroht (s. Bildergalerie).

Die Deutsche Bahn plant, in den kommenden 10 Jahren mindestens 70 Brücken zu erneuern und davon voraussichtlich 28 Brücken abzureißen. Hinter diesen Planungen stehen unter anderem wirtschaftliche Abwägungen: Aktuell „belohnt“ die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bahn und Bund einseitig Neubauten und macht Sanierungen unattraktiv. Zudem führen die veralteten und einseitig auf Neubauten ausgerichteten Richtlinien der Bahn zur Berechnung von Restnutzungsdauern dazu, dass regelmäßig historische Brücken vorzeitig aufgegeben werden, obwohl sie noch lange Zeit voll funktionsfähig wären.

Nach der Sternbrücke sollen als nächstes die Schanzenstraßenbrücken ersetzt werden, dann folgen die Brücken über die Holstenstraße, am Ferdinandstor, am Anckelmannsplatz und an der S-Bahn-Strecke Richtung Rothenburgsort. Dabei ergibt sich immer wieder dasselbe Bild: Kleinteilige historische Konstruktionen werden ersetzt durch grobe und teilweise völlig überdimensionierte Standard-Lösungen. Dadurch verarmt an vielen Stellen das Stadtbild, und umliegende Denkmäler werden in ihrer Wirkung stark beeinträchtigt. Darüber hinaus sind diese Abrisse deutlich klimaschädlicher als eine Instandhaltung und Sanierung, bei der die in der Brücke enthaltene „graue Energie“ bewahrt und weitergenutzt wird.

Es ist wichtig, dass das Hamburger Schienennetz sicher und zukunftsfähig ausgebaut wird. Das darf jedoch nicht auf Kosten von Verkehrsgeschichte, Stadtbild und Klima geschehen. Um die Hamburger Brücken besser zu schützen, sollte die Bahn dringend ihre veralteten Richtlinien zur Berechnung von Restnutzungsdauern überarbeiten, mögliche Ausnahmeregelungen für Bestandsbauwerke konsequenter nutzen und der Bund auch Sanierungen mitfinanzieren.