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Mollersches Palais

 
 

 

Gastkommentar für die WELT vom 30.1 2012
Hamburgs Kulturerbe
besser beschützen


Die wichtige Rolle des Denkmalschutzes bei der Stadtentwicklung

von Helmuth Barth

Gottfried Kiesow, der kürzlich verstorbene große Mann der deutschen Denkmalpflege, hat es auf den Punkt gebracht: "Denkmalschutz ist der Dank an die Vergangenheit, die Freude an der Gegenwart und das Geschenk an die Zukunft."

Wenn ich als gebürtiger Hamburger durch meine Stadt gehe, muss ich feststellen, dass nach dem Krieg mehr an historischer Bausubstanz vernichtet worden ist als während der verheerenden Bombennächte 1943. Sicher, Wiederaufbau und Neuorientierung der Stadt forderten ihren Tribut und müssen es auch weiterhin, aber immer noch wird mit unserem kulturellen Erbe zu sorglos umgegangen. Statt behutsamer Sanierung und gezielten Weiterbaus wird erst einmal ein Gebäude abgerissen und dann neu gebaut, oft ohne auf die gewachsene Umgebung Rücksicht zu nehmen. Häufig kommen Denkmalschützer zu spät wie bei dem Mollerschen Palais. Dabei könnte vielerorts mit Umsicht das Bestehende fortentwickelt werden.

Was lässt sich hier tun? Zunächst sollte das Hamburger Denkmalschutzgesetz im Sinne des Ipsa-lege-Prinzips verbessert werden, wie dies in zwölf von 16 Bundesländern bereits der Fall ist. Das heißt, dass alle schutzwürdigen Objekte als Kulturdenkmäler quasi mit einem Federstrich eingetragen und damit geschützt sind. Bisher mussten Gebäude in einem zeitaufwendigen Verfahren einzeln unter Schutz gestellt werden. Die Voraussetzungen für einen Beschluss über die Gesetzesnovelle sind nach jahrelanger Vorarbeit gegeben, und wir als Denkmalverein dringen deshalb auf eine zügige Verabschiedung.

Zum Zweiten ist die Kommunikation zwischen Politik, Behörden und den Bürgern zu intensivieren, wobei den Medien eine entscheidende Rolle zufällt. Beispiele von gelungenen Restaurierungen und geretteten Baudenkmälern sollten stärker bekannt gemacht werden. In der Bevölkerung ist durchaus eine positive Grundstimmung pro Kulturerbe vorhanden, die aus der Sehnsucht nach Heimat, Wohlgefühl und Schönheit herrührt. Erinnerungskultur schafft Nestwärme. Das Nebeneinander von historischen und neuen Gebäuden in der Hafencity hat beispielsweise bewirkt, dass sich die Patina der alten Gemäuer wie das ehemalige Hafenamt oder die Poggenmühle sehr wohl mit der modernen Architektur verträgt und dankbar von den Menschen aufgenommen wird. Der Charakter der Stadt kann so bewahrt bleiben.

Ein weiteres Themenfeld öffnet sich mit der Entwicklung des Stadtbildes. Hamburg verfügt über eine einzigartige Mischung von Bürger- und Kontorhäusern, von Grünanlagen, Fabrikbauten, Kirchen und maritimen Denkmälern. Sie werden mit Stolz beim alljährlichen Tag des offenen Denkmals gezeigt. Stadtplaner wie Fritz Schumacher und andere haben das zu Recht so genannte "Kunstwerk Hamburg" geschaffen. Aber wir müssen aufpassen, dass belanglose Büroarchitektur, neue Verkehrsstraßen und insbesondere die energetisch begründete Außendämmung von Backsteingebäuden das traditionelle Stadtbild nicht in seiner Anmutung beschädigen und unkenntlich machen. Hier ist Widerstand angesagt und neue Bautechnik gefragt.

Schließlich noch ein letzter Punkt: Wenn aus Spekulationsgründen historisch wertvolle Häuser über einen längeren Zeitraum leer stehen, sollten sich die Hamburger dagegen wehren. Ein Denkmal muss leben, eine Nutzung muss gesucht werden. Ohne ein Nutzungskonzept ist die schönste Sanierung sinnlos.

Bürgermeister Scholz hat uns unlängst in einem Brief versprochen, dem Denkmalschutz in der Hansestadt einen höheren Stellenwert einräumen zu wollen. Nehmen wir ihn beim Wort. Er sollte wissen, dass es in Hamburg viele private Fördervereine und Initiativen in der Denkmalpflege gibt, die Zeit und Geld aufwenden, um unsere Stadt schöner und lebenswerter zu machen. Das bürgerschaftliche Engagement ist vorhanden, wie Gängeviertel und Katharinenquartier gezeigt haben. Aber Politik und Verwaltung müssen mitziehen, als Vorbild vorangehen und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Um mit Gottfried Kiesow zu argumentieren: Gebt dem Alten eine Chance, damit die Zukunft gerettet wird.

Helmuth Barth ist Vorsitzender des Vereins Freunde der Denkmalpflege e. V., der sich für den Erhalt von Kulturdenkmälern in Hamburg einsetzt.

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