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Plädoyer für den Erhalt der Backsteinstadt Hamburg
Hamburg droht der Fassadentod. Immer häufiger verändern energetische Dämmmaßnahmen das Antlitz ganzer Backsteinensembles, Klinkerimitate führen zum Verlust der Ausstrahlung der Stadt. Es ist davon auszugehen, daß binnen weniger Jahre jede vierte ursprüngliche Backsteinfassade verschwunden sein wird. Eine „Kulissenarchitektur“ ist die Folge, das Stadtbild wäre verschandelt.
Wie ist diesem Verlust an Baukultur zu begegnen? Sind Wärmedämmverbundsysteme wirklich das Allheilmittel? Müssen jedem Klinkerbau immer Styroporplatten und Klinkerimitate vorgesetzt werden, um eine Energieeinsparung zu erreichen?
Das Denkmalschutzamt versucht gegenwärtig in Hamburg-Dulsberg eine neue Art der Gebäudedämmung. Aber diese ist extrem kostenaufwendig und erntet im Ergebnis teils heftige Kritik von Architekten und Kunsthistorikern. Da versprechen konventionelle Maßnahmen wie Einsparungen bei der Heizungstechnik, Dämmungen im Keller und auf dem Dach sowie Isolierverglasungen immer noch bessere Ergebnisse. Einfachverglaste Fenster können durch den Einbau von Kastenfenstern mit Mehrfachverglasung energetisch aufgewertet werden, ohne den historischen Charakter der Fensterfläche zu verändern.
Als Denkmalverein, der sich für den Erhalt kultureller Werte einsetzt, plädieren wir zusätzlich dafür, die baugeschichtlich bedeutsamen Backsteinbauten von innen zu dämmen. Es wird bislang zu wenig beachtet, daß der Verlust von Fläche im Innenraum minimal ist: die Baustoffindustrie hat mittlerweile eine Reihe von standardisierten Produkten wie Calciumsilikatplatten und Lehmbaustoffe entwickelt, die gut funktionieren. Bei einer Innendämmung ist eine Stärke von 9cm ausreichend, während außen in der Regel mit 20cm gedämmt wird. Eine Innendämmung ist zudem weniger wartungsintensiv, und dem Mieter sollten die Sanierungsarbeiten für eine kurze Zeit durchaus zuzumuten sein. Eine radikale Veränderung der Fassade wird bei der Innendämmung in jedem Falle vermieden.
Wir appellieren an die Verantwortlichen in der Stadt, insbesondere die Bauherren und die Zuschußgeber, ernsthaft über eine Innendämmung bei Backsteinbauten nachzudenken und sie bei der energetischen Sanierung zu favorisieren. Das dürfte auch leichter fallen, da das Förderprogramm des Bundes, das zinsgünstige Kredite für die Sanierung bereitstellt, gerade wieder beträchtlich aufgestockt worden ist. Der Erhaltungsaufwand kann in vollem Umfang steuerlich geltend gemacht werden.
Weitere Informationen unter 040-41 35 41 52 (Denkmalverein Hamburg)
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